Geleitwort

Eine feministische Ausgabe der Datenschleuder? YES! Irgendwie vermuten wir, dass einige wenige von euch jetzt freudig denken: „Wie toll, wurde aber auch Zeit!”, einige mehr mit den Schultern zucken oder dieses Geleitwort eh nicht lesen und dass wohl auch bei ein paar weiteren eher so Roll-eyes-Vibes aufkommen und ihr denkt: „Echt jetzt, muss das sein?” Ja, Leute, es muss, gerade jetzt. Wir haben jedenfalls viel Spaß dabei gehabt und freuen uns schon auf die Leser*innenbriefe-Sektion der nächsten Ausgabe! ;)

Und was an diesem Heft ist jetzt „feministisch”? Darüber haben wir uns in der Redaktion interessanterweise gar nicht so viel verständigt – und es hat trotzdem (oder deswegen) ganz gut geklappt mit den Aushandlungen zu dieser Ausgabe. Die Idee entstand vor drei Jahren beim EH20, als ein paar von uns danach noch in der Ausstellung „The F*word. Guerrilla Girls und feministisches Grafikdesign“ waren. Wir dachten uns, schauen wir doch einfach mal, was passiert, wenn wir zu Beiträgen für eine feministische Ausgabe aufrufen! Das gar nicht mal so krass kuratierte Ergebnis haltet ihr nun endlich in den Händen!

Unser digitalisiertes Miteinander, dieses Internetz, das Chaos, das ganze Cyber Cyber ist bunt und toll, ist ambivalent, ist vor Missbrauch nicht gefeit. Und für einige Wesen birgt das Dasein auf dieser Welt, offline, online, eh verschränkt, nun einmal mehr Unannehmlichkeiten, Gefahren, Gewalt, Hindernisse – ist einfach so. All creatures are welcome, aber wenn alle offiziell willkommen sind, heißt das leider noch lange nicht, dass alles für all creatures auch gleich fluffig ist.

Einen guten inhaltlichen Einstieg dazu, was eine feministische Perspektive bedeuten kann, bietet z.B. der Artikel „Cybersicherheit – eine feministische Kritik” (Seite 82). Die Autor*innen nehmen das gängige Verständnis von Sicherheit in diesem Zusammenhang kritisch unter die Lupe und plädieren dafür, stattdessen eine solidarische und inklusive Sicherheitsstrategie zu denken, die neben technologischen auch soziale, emotionale und psychische Aspekte gleichermaßen mit einbezieht.

Außerdem geht es um geschlechtergerechte Sprache (Seite 12, 29 und 40), um die Geschichte der feministischen Auseinandersetzung mit Technik (Seite 68) sowie um einen persönlichen Weg vom GamerGate zur Feminist*in (Seite 90). Wir freuen uns auch über die ersten beiden Vorstellungen akademischer Abschlussarbeiten, die vom Chaos Catalysator Stipendium gefördert wurden (Seite 60 und Seite 116).

Natürlich gibt es auch einige Beiträge zur chaosinternen Auseinandersetzung: Ihr findet einen Artikel zur feministischen Chaosgeschichte (Seite 16), eine feministische Einordnung der Hackethik (Seite 51) und einen Bericht von der ersten Chaos Feminist Convention letzten Sommer (Seite 36). Es gibt eine Karte mit Orten und Kontakten zu den Haecksen (Seite 15), Kommentare und Meinungen (Seite 98) und gegen Ende (ab Seite 124) auch das schwierige Thema des Umgangs innerhalb des Clubs mit (sexuellen) Übergriffen – Feminismus ist work in progress. Für leichtere Kost sorgen Kartoffelcomputing auf Seite 107 und, falls es an anatomischer Orientierung mangelt, ein augenzwinkerndes RTFM auf Seite 50.

Als Special gibt's mit dieser Ausgabe die Unvereinbarkeitserklärung des CCC im Posterformat und wie immer laden wir euch ein, euch mit eigenen Artikeln in die Datenschleuder einzubringen. Für die nächste Ausgabe suchen wir besonders Beiträge zum Hype-Thema „künstliche Intelligenz“.

Jetzt aber erstmal viel Spaß beim Lesen,

Eure DS